I. Vorbereitung

1. Konzeption 

Am Anfang steht die Konzeption. Praxiserfahrung kombiniert mit den Erkenntnissen der Wörterbuchforschung fließen in die Erstellung von ausführlichen und formal exakten lexikografischen Richtlinien ein, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss. Hierfür sorgt die Projektleitung, die die eingehenden Arbeiten redigiert und in engem Kontakt mit den Mitarbeitern weltweit steht (z.B. mit Feedbacks zu eingereichten Datenstrecken).

In den Richtlinien wird die Anzahl und Auswahl der Stichwörter bestimmt (die sogenannte Makrostruktur ).

Welche Informationen in welcher Menge und in welcher Art zu den Stichwörtern bzw. zu ihren Übersetzungen angegeben werden, wird ebenfalls in den Richtlinien festgelegt. Diese Informationen gehören der sog. Mikrostruktur an. Hierzu gehören beispielsweise grammatikalische Angaben (Angaben zur Wortart sowie zu Besonderheiten wie etwa unregelmäßige Formen), Markierungen und Abkürzungen (zum Stil, zur Region, zum Sachgebiet), die Abfolge der Informationen sowie Methoden der Eintragsstrukturierung, Methoden der Unterscheidung zwischen verschiedenen Übersetzungen (sog. Bedeutungsdifferenzierung); zahlreiche Mustereinträge tragen ebenfalls dazu bei, dass im ganzen Wörterbuch Einheitlichkeit herrscht. Denn an einem Großprojekt können über einen Zeitraum von 8 Jahren insgesamt bis zu 60 Personen beteiligt sein. Die Entwicklungskosten liegen im Milionenbereich.


2. Planung des Vorgehens: Arbeitsschritte, Budget 

In diesem Arbeitsschritt wird geprüft, ob und welche bereits vorhandenen Materialien und Quellen verwendet werden können.
Dann werden die einzelne Arbeitsschritte und ihre Reihenfolge festgelegt.
Hieraus ergibt sich das Autorenprofil, eine Vorstellung von der benötigten Zeit und das Budget. Im Zusammenhang hiermit werden in diesem Stadium auch Probearbeiten durchgeführt.

3. Autorensuche 

Autoren werden nach dem Muttersprachlerprinzip (jeder Autor bearbeitet nur seine eigene Muttersprache) weltweit gesucht. Die PONS-Mitarbeiter leben in ca. 30 verschiedenen Ländern.

II. Datenerstellung

Teilwörterbücher

Ein zweisprachiges Wörterbuch wird in der Regel aus verschiedenen Teilwörterbüchern zusammengestellt: das „Kernwörterbuch“ besteht aus einem großen Kernwortschatz, der jedem Lexikografen geläufig ist. Parallel zum „Kernwörterbuch“ werden Teilwörterbücher von Spezialisten erstellt: Fachwörter – pro Bereich ein Teilwörterbuch, regionale Varianten (Deutsch aus der Schweiz, aus Österreich; Englisch aus Kanada, USA, Australien, Französisch aus Kanada, Belgien, der Schweiz, usw.), kulturspezifische Wörter, Neuwörter usw. Zum Schluss werden diese Teilwörterbücher in ein großes Wörterbuch zusammengefügt. Jedes Teilwörterbuch wird in einzelnen Arbeitschritten erstellt,  z.B. entsteht zuerst die „linke“ Seite, danach die „rechte“. Dabei gibt es auch einen regen Austausch zwischen Muttersprachlern der "linken" und Muttersprachlern der "rechten" Seite.

Teilschritte

Zusätzlich werden bestimmte Schritte für das gesamte Wörterbuch getrennt durchgeführt – z.B. die Eingabe der phonetischen Zeichen, ggf. die Einarbeitung einer Rechtschreibreform, usw.

Das Kernwörterbuch: Arbeitsschritte und Datenbeispiele

1. Erstellung der „linken Seite“
Dies beinhaltet die Erstellung eines sogenannten Ausgangstextes, der ein Maximum an  Informationen über Bedeutung und Gebrauch pro Stichwort liefert. Dieser Text ist zielsprachenunabhängig; die nachfolgende schematische Darstellung für das deutsche Adjektiv rot gibt eine Andeutung über die Ausführlichkeit des Textes, der zusätzlich auch noch zahlreiche Kontextbeispiele für die Arbeit der Autoren der zielsprachlichen Seite liefert. Diese Kontexte werden nur dann in das fertige Wörterbuch übernommen, wenn sie für die Benutzer des zu erstellenden Wörterbuchs relevante Informationen liefern.  

ausgangstext_nur_de_neu

Die erweiterte schematische Darstellung unten zeigt auch, dass dieser Ausgangstext je nach Zielsprache anders umgearbeitet wird. Erscheint in der Tabelle ein Strich, so weicht die Übersetzung nicht von der allgemeinen Übersetzung ab und muss nicht unbedingt als gesonderte Übersetzung im Wörterbucheintrag angegeben werden. Der Ausgangstext wird in einem strukturierten Datenformat erfasst (siehe Punkt 2 unten), bei dem die Form des Eintrags vom Inhalt getrennt wird.

ausgangstext_de_neu

2. Erstellung der zweisprachigen Einträge: die "rechte Seite" kommt hinzu

Aus dem Ausgangstext erstellen Muttersprachler beispielsweise des Englischen zweisprachige deutsch-englische Einträge.

Das Beispiel unten zeigt den englisch-deutschen Eintrag für das Adjektiv rot. Wir zeigen ihn in Teilen, und zwar zuerst das Datenformat und dann die jeweilige Umsetzung auf dem Bildschirm. 

Datenformat ...

rot_spy_header_neu

... Umsetzung auf dem Bildschirm ...

rot_header

Datenformat ...

rot_spry_1_2_neu

... Umsetzung auf dem Bildschirm ...

rot_deen_1_2

Datenformat ...

rot_spy_3_neu

... Umsetzung auf dem Bildschirm ...

rot_deen_3

Gesamter Eintrag auf dem Bildschirm:

rot_deen

III. Korrekturphasen

Überarbeitungen und Korrekturen können innerhalb jedes Arbeitsschritts in mehreren Zyklen erfolgen, bis der jeweilige Arbeitsschritt vom Projektmanagement abgesegnet wird. Sind all diese Gänge abgeschlossen ist Redaktionsschluss: Die Daten können dann entweder für ein Printwerk weiter verarbeitet (Satzphase - Druckerei - Buchauslieferung) oder online gestellt werden.

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