R 1.1
Das richtige Schreiben soll das Verständnis geschriebener Texte erleichtern. Ein relativ einheitliches und bekanntes Schriftbild ermöglicht es Leserinnen und Lesern, sich auf den Inhalt oder die Ausdrucksweise eines Textes zu konzentrieren, anstatt immer wieder durch ungewöhnliche oder wechselnde Schreibweisen davon abgelenkt zu werden.
Am einfachsten wäre es sicher, wenn alle Laute und jedes Wort immer gleich geschrieben würden, sodass man sich nach und nach diese Schreibweisen einprägen könnte. Trotz vieler Vereinfachungen kann dieser Grundsatz aber nicht durchgehend gelten:
Dieses Kapitel stellt vor allem die Prinzipien und Grundregeln vor, die bei der elementaren Rechtschreibung von Lauten und Wörtern helfen.
R 1.1
Schreiben Sie so, dass Sie für die gleichen Laute oder Klänge möglichst immer die gleichen Buchstaben oder Buchstabenkombinationen verwenden.
Dieses Prinzip der Laut-Buchstaben-Zuordnung ermöglicht es im Idealfall, dass man ein neues Wort nach dem Gehör richtig schreiben kann – aber eben nicht immer. Das erste Hindernis besteht darin: Eine Buchstabenschrift wie die unsere muss die Zahl der Buchstaben klein halten, um lesbar zu bleiben. Dadurch entsteht ein „Übersetzungsproblem“: Welche der vielfältigen gesprochenen Laute soll man mit welchen Buchstaben „abbilden“?
1.1.1 Verdoppelung des Konsonanten nach kurz gesprochenem Vokal
Wie wird in der Schriftform angezeigt, ob ein betonter Vokal (Stammvokal) kurz oder lang zu sprechen ist?
R 1.2
Nach einem kurzen betonten Vokal folgen in der Regel zwei Konsonanten.
kurz, Küste, gering, bunt, öfter, Ort
Oft handelt es sich dabei um Doppelkonsonanten.
Quallen, irren, rennen, hoffen, schlaff, generell, üppig, Paddel, Hütte
Probe:
Wird der Konsonant bei der Silbentrennung in jeder der beiden Silben mitgesprochen, so ist er doppelt zu schreiben.
Qual-len (aber: Qua-len)
hof-fen (aber: bei Ho-fe)
schlaf-fe (aber: im Schla-fe)
R 1.3
Bei der Verdoppelung schreibt man
ck statt Doppel-k, tz statt Doppel-z.
backen, kleckern, Knacks
Blitz, Platz, sitzen
Ausnahmen:
tz und ck stehen nie nach l, m, n, r.
Hölzer, Tanz, Herz, Imker, denken, Birke
R 1.4
Ausnahmen:
Nicht verdoppelt wird der Konsonant in einigen einsilbigen Wörtern, die oft eine besondere grammatische Funktion haben.
ab, am, an, bin, bis, das (Artikel, Probe: dieses), dran, es, hat, hin, im, in, man, mit, ob, plus, um, vom, von, was, weg, zum
Aber: denn, wenn, dann, wann, dass
Fremdsprachige Wörter zeigen oft keine Verdoppelung.
Chip, Bus, Jet, Job (aber: jobben), Politik, Hotel
Umgekehrt gibt es in fremdsprachigen Wörtern auch Konsonantenverdoppelung ohne vorangehenden betonten Vokal!
Fassade, Kassette, Batterie, Effekt, Grammatik, Konkurrenz
1.1.2 Kennzeichnung der langen Vokale
R 1.5
Nach einem lang gesprochenen Vokal folgt in der Regel kein Konsonant (im Stamm).
wo, da, so
Probe bei mehrsilbigen Wörtern: Silbentrennung
Mo-nat, le-ben, La-ge, gro-ße, Sche-re
Die Länge des Vokals wird also – im Gegensatz zur Kürze – in der Regel nicht besonders gekennzeichnet. Dennoch wird sie in einigen Wörtern zusätzlich durch Vokale oder Konsonanten gekennzeichnet, den so genannten Dehnungszeichen. Damit werden historische Schreibweisen aufgenommen.
R 1.6
Zusätzliche Kennzeichnung von langen Vokalen:
– langes i meist durch ie
liegen, hier, ziemlich, nie, viel, sie
– selten durch ie + h
Vieh, befiehl
– in bestimmten Wörtern durch h
ihm, ihn, ihnen, ihr, ihre, ihrem, ihren (aber: dir, mir, wir)
– andere lange Vokale oft durch h,
sog. Dehnungs-h (meist vor l, m, n, r)
Höhle, nehmen, Bahn, Uhr
– in Ausnahmefällen durch Doppelvokal
Paar, Teer, Boot (bei Umlaut kein Doppelvokal: Pärchen, Bötchen)
– lange Vokale in Wörtern mit einem folgendem stimmlosen s-Laut durch ß (s. R 2.14)
Gruß, spießig, Strauß
Die bisherige Darstellung des Lautprinzips hat gezeigt: Die Hauptregel der Rechtschreibung, nämlich möglichst immer dieselben Buchstaben für dieselben Laute zu verwenden, ist nicht so einfach anzuwenden, wie sie klingt. Nun wird außerdem das Lautprinzip bei vielen Wörtern durch ein zweites Prinzip, das Stammprinzip, außer Kraft gesetzt.
R 1.7
Schreiben Sie so, dass die Herkunft oder Verwandtschaft eines Wortes zu erkennen ist.
Diese zweite Grundregel ergibt sich aus dem Stammprinzip.
Stämme sind die wichtigsten Bedeutungsträger der Wörter.
kennen, reisen, lieben, beenden
Aus ihnen lassen sich weitere verwandte Wörter bilden.
Haus ▸ hausen, unbehaust
Allerdings können Stämme dabei den Vokal verändern (Ablaut) und – je nach dessen Länge – auch weitere Konsonanten.
kennen – bekennen – erkannt
kennen ▸ Kenntnis, erkannt ▸ Bekannte
fließen – es floss – das Floß
Trotzdem bleibt die Schreibweise so ähnlich (Schemakonstanz), dass man die Familienähnlichkeit von Wörtern erkennen kann.
Wände von Wand (nicht: Wende)
lieb von Liebe (nicht: liep)
endlich von Ende (nicht: entlich)
Schifffahrt = Schiff + Fahrt
R 1.8
Genau genommen behalten nicht nur die Stämme, sondern auch andere wichtige Wortbausteine wie die Vor- und Nachsilben ihre Schreibweise bei. Das Stammprinzip müsste deshalb eigentlich Wortbausteinprinzip oder Morphemprinzip heißen.
Gleichschreibung der Vorsilben:
auffallen = auf + fallen (nicht *aufallen)
Gleichschreibung von Nachsilben:
Detektiv wie Detektive
königlich wie König
1.2.1 Schwierigkeiten mit dem Stammprinzip
Das Stammprinzip ist keine „Rechtschreibfalle“; es soll vielmehr die Rechtschreibung erleichtern. Indem man sich an verwandte Wortstämme, Vorsilben und Endungen erinnert, wird das Schreiben vereinfacht. Schwierigkeiten ergeben sich allerdings dann, wenn das Stammprinzip (schreiben Sie „familienähnlich“!) in Konflikt mit dem Lautprinzip gerät (schreiben Sie „klangähnlich“!). In diesen Fällen geht das Stammprinzip vor.
R 1.9
Bei vielen Wörtern schreibt man b, d, g, s, weil das Stammprinzip dies verlangt, obwohl man p, t, k oder scharfes s spricht.
das Lob von loben
das Rad wie Räder (nicht von Rat/Räte)
Erfolg wie folgen
du reist von reisen (nicht von reißen)
Probe: Wort verlängern
R 1.10
Nach einem kurzen betonten Vokal folgen in der Regel zwei Konsonanten.
sämtliche ▸ gesamt
Gebäck▸backen
1.2.2 Hilfen bei gleich und ähnlich klingenden Lauten
Praktisch zeigt sich der Konflikt zwischen Laut- und Stammprinzip also meist daran, dass man in Zweifel gerät, ob man ein Wort einfach „nach dem Gehör“ schreiben kann. In solchen Zweifelsfällen helfen zwei Proben.
R 1.11
Proben zum Stammprinzip:
– das Wort auf seine Ausgangsform(en) zurückführen
gebt ▸ geben, rennst ▸ rennen, endlos ▸ Ende, entdecken ▸ Vorsilbe „ent“, Wände ▸ Wand, Wende ▸ wenden, Schlammmassen ▸ Schlamm/Massen
– das Wort verlängern
Wind ▸ Winde, Wort ▸ Wörter, richtig ▸ richtige, peinlich ▸ peinliche, sprühend ▸ sprühende, Glas ▸ Gläser, nah ▸ Nähe
Ausnahme: Substantive auf -is und -in mit einfachem Konsonant, obwohl sie bei Verlängerung im Plural Doppelkonsonanten vorweisen.
Kenntnis ▸ Kenntnisse
Freundin ▸ Freundinnen
1.2.3 Die Andersschreibung
R 1.12
Normalerweise werden – nach dem Lautprinzip – Wörter, die gleich klingen, gleich geschrieben, auch wenn sie unterschiedliche Bedeutung haben. Darauf beruht das bekannte Teekesselchen-Raten: das Band/der Band, die Bank (‚Sitzbank’)/die Bank (‚Geldinstitut’).
In manchen Fällen werden Wortstämme aber auch gezielt anders geschrieben, um ihre Bedeutungen auf einen Blick unterscheiden zu können.
Häufige Andersschreibungen:
Ältere – Eltern
bis – biss ▸ beißen
das – dass (Konjunktion)
Endkampf – Entlassung
viel – er fiel
sie ist – er isst ▸ essen
lehren – leeren
Lied – Lid (Auge)
mahlen – malen
Mann – man
seit – ihr seid
Seite – Saite
Ware – wahr – er war
wieder – wider (dagegen)
1.3.1 Problem und Grundregel
Bei der Schreibung einheimischer Wörter muss man sich oft fragen, ob nach dem Laut- oder nach dem Stammprinzip verfahren werden muss. Ähnliche Zweifel tauchen verstärkt bei der Schreibung von Fremdwörtern auf: Darf man nach der deutschen Laut-Buchstaben-Zuordnung verfahren oder muss man die Herkunftsschreibung beachten?
R 1.13
70 % unserer Fremdwörter können nach dem Lautprinzip geschrieben werden!
Die Rechtschreibung wird also als regelgerecht oder normal empfunden.
Bei vielen Fremdwörtern wird man kaum noch erkennen, dass sie aus einer anderen Sprache stammen: Streik (engl. strike), Büro (franz. bureau); sie sind über einen langen Zeitraum ins Deutsche aufgenommen worden.
Andere werden wie Zitate aus der fremden Sprache angesehen und dementsprechend in grammatischer Form und Schreibung unverändert übernommen: Das ist doch ganz easy!; Der redet doch pro domo! Bevor ich in medias res gehe. Geh mal auf Download!
Einige Fremdwörter sind auf dem Wege, „eingedeutscht“ zu werden. Sie können deshalb in ihrer Herkunftsschreibweise oder in deutscher Lautung geschrieben werden; die amtliche Regelung gibt „Hauptformen“ und „Nebenformen“ an.
1.3.2 Eindeutschung und Doppelschreibung
Bei den folgenden Beispielen steht die ältere Schreibung voran, die stärker „eingedeutschte“ schließt sich an.
R 1.14
Sind zwei Schreibweisen bei Fremdwörtern möglich, sollte man sich beim eigenen Schreiben immer an dieselbe Schreibweise halten.
Beispiele für „Doppelschreibung“:
ai – ä Drainage – Dränage
ph – f Graphik – Grafik, phantastisch – fantastisch
gh – g Joghurt – Jogurt, Spaghetti – Spagetti, Ghetto – Getto
ch – sch chic– schick
eu – ö Friseur – Frisör
rrh – rr Katarrh – Katarr
th – t Thunfisch – Tunfisch, Panther – Panter
c – ß Sauce – Soße
t – z potentiell – potenziell
R 1.15
Ein Zeichen für Eindeutschung ist auch die Zusammenschreibung ursprünglich mehrteiliger Fremdwörter. Im Deutschen schon lexikalisierte Zusammensetzungen (mit dem Hauptakzent auf dem ersten Bestandteil) werden zusammengeschrieben: Bluejeans, Swimmingpool, Newcomer. Liegt der Hauptakzent auf dem zweiten Teil, schreibt man weiterhin getrennt: High Society, New Age, Electronic Banking.
Oft werden solche Zusammensetzungen zunächst mit Bindestrich aneinander gerückt, was übersichtlicher wirken kann; hier sind dann beide Schreibweisen möglich:
Beispiele für Zusammenschreibung:
After-Shave-Lotion – Aftershavelotion
Centre-Court – Centrecourt
Air-Condition – Aircondition
Midlife-Crisis – Midlifecrisis
Come-back – Comeback
Feed-back – Feedback
Desktop-Publishing – Desktoppublishing
Full-Time-Job – Fulltimejob
Mountain-Bike – Mountainbike
Zur Groß- und Kleinschreibung s. R 3.22, zur Bindestrichsetzung R 4.21, R 4.22, R 4.23, zur Silbentrennung bei Fremdwörtern R 5.4
1.3.3 Häufige Abweichungen von der deutschen Lautschreibung
R 1.16
Häufig vorkommende Abweichungen von der deutschen Laut-Buchstaben-Zuordnung sollte man sich nach und nach merken.
Häufige Abweichungen von der deutschen Lautschreibung:
ai statt ä
Airbus, fair, Saison
c oder ch statt k
Café, Computer, Clown, Chaos, Charakter (s. R 2.4)
ph statt f
Alphabet, Strophe, Phase (s. R 2.12)
rh statt r
Rhythmus, Rhabarber (s. R 2.13)
th statt t
Methode, Thema, These, Theorie, Therapie (s. R 2.16)
y statt i oder ü
Analyse, Baby, hygienisch, Lyrik, Physik, Symbol
Keine Doppelkonsonanten nach kurzem betontem Vokal
Profit, Kamera, Hotel
Verdoppelung des Konsonanten, obwohl der vorangehende Vokal nicht betont wird
passieren, Allee, Porzellan
Nicht hörbare Endlaute (z. B. t im Französischen)
Eklat, Etat, Trikot, Restaurant, Dessert, Kuvert
1.3.4 Wiederkehrende Vorsilben und Wortendungen
R 1.17
Häufig vorkommende Wortanfänge und Wortendungen in der Schreibweise von Fremdwörtern sollte man sich nach und nach einprägen.
Achtung! In lateinischen Vorsilben gleicht sich der Endkonsonant häufig an den nachfolgenden an: z. B. kon ▸ Kommentar, Korrespondent.
Wiederkehrende Vorsilben und Wortanfänge:
ad- Addition, Apparat, Aggression, Akkusativ
dis- Dissonanz, Differenz
en- engagiert, Ensemble, Entree
inter- Interesse, Interview, Intelligenz
kon- Kongress, Kollege, Kombination, Kommentar, Korrespondent
re- Resonanz, reduzieren, Reaktion
syn- Synthese, symmetrisch
Wiederkehrende Endungen:
-ain Refrain, Souterrain
-antinteressant, Pendant
-anz Akzeptanz, Substanz
-är primär, Sekretär
-ation Situation, Organisation, Interpretation
-eau Niveau, Plateau
-ee Allee, Idee, Kaffee
-eur Ingenieur
-ie Industrie, Energie, Batterie, Demokratie
-iell speziell, finanziell
-ier Premier, Atelier (r-Laut nicht hörbar), Scharnier
-ierenregieren, diskutieren, notieren
-in Mannequin, Bulletin, Medizin
-ine Margarine, Maschine
-it Satellit, Kredit
-iv negativ, relativ, konservativ, aktiv
-ment Engagement, Management
R 1.18
Fremdwörter, die man nicht selbst entschlüsseln kann, weil sie ungewöhnlich wirken, muss man im Wörterbuch nachschlagen!
Die Schreibweisen aus den unterschiedlichen Herkunftssprachen lassen sich nicht in Regeln fassen. Wer allerdings Englisch, Französisch oder Latein beherrscht, wird bei den häufigsten Fremdwörtern mit der Zeit weniger Schwierigkeiten haben.
1. In erster Linie das Lautprinzip beachten, auch bei Fremdwörtern:
– die gleichen Laute mit den gleichen Buchstaben(kombinationen) wiedergeben
– deren Aussprache deutlich unterscheiden (z. B. ä = offen, e = geschlossener).
2. In Zweifelsfällen Proben machen:
– Stammwort oder verwandtes Wort suchen (s. R 1.7/R 1.11)
– Silbentrennung versuchen (s. R 1.2 /R 1.5)
– Wörter verlängern (s. R 1.11).
3. Unbekannte Fremdwörter nachschlagen.
In diesem Kapitel wird – in alphabetischer Reihenfolge – auf Besonderheiten bei der Schreibung einzelner Buchstaben und Buchstabenkombinationen hingewiesen. Allgemeine Grundregeln und Hilfen zur Buchstabenschreibung finden sich im vorigen Kapitel 1, ebenso zur Schreibung von Fremdwörtern (R 1.13 ff.).
R 2.1
aa – ee – oo
Doppelvokal als Zeichen der Länge kommt nur in wenigen Wörtern vor.
Wichtig:
Haar, paar, Paar, Saal, Staat, Waage
Beere, leer, Meer, See, Schnee, Teer
Boot, Moor, Moos, Zoo
Entsprechende Umlaute werden nicht verdoppelt.
Härchen, Pärchen, Säle, Bötchen
R 2.2
ä/e – äu/eu – ai/ei
ä (nicht e) wird geschrieben, wenn es eine Grundform mit a gibt. (Zum Stammprinzip s. R 1.10)
Hände ▸ Hand, hätte ▸ hat, am nächsten ▸ nah
Ausnahme: Eltern ▸ alt
äu (nicht eu) wird geschrieben, wenn es eine Grundform mit au gibt.
Träume ▸ Traum, gräulich ▸ grau, Käufer ▸ Kauf
Bei einigen Wörtern ist eine solche Grundform nicht mehr erkennbar.
allmählich, gähnen, Lärm, März,
Sekretär, Universität, Schädel,
täuschen, sich sträuben, Säule
In anderen Fällen wird e bzw. eu geschrieben.
Welt, Wende, Eule, Euter, Europa
ai (nicht ei) wird nur in wenigen Wörtern geschrieben.
Hai, Hain, Kaiser, Laie, Mai , Mais, Saite (aber: Buch-Seite), Waise (elternloses Kind, aber: Art und Weise)
ai kommt auch in Fremdwörtern vor (als ä-Laut gesprochen).
Airport, Refrain, Necessaire (auch Nessessär möglich)
R 2.3
b/p (zu bb vgl. ff, R 2.7)
Wörter, die im Stamm ein b haben, behalten dieses, auch wenn es im Auslaut als p-Laut gesprochen wird.
lieb, geliebt ▸ lieben
trübselig, eingetrübt ▸ trüben
bleib ▸ bleiben
Trab ▸ traben
Als Probe kann man das Wort verlängern.
(Zur „Auslautverhärtung“ vgl. auch R 1.9)
R 2.4
c/ch/k/z (zu chs siehe R 2.18)
Wörter mit c oder ch am Anfang sind meist fremdsprachlichen Ursprungs.
Camping, cool, Cousin, Chaos, Chor,
City, Cineast
Champignon, Chance, Chip
Einige Wörter kann man auch mit k oder z schreiben.
Code – Kode; circa – zirka
(empfohlene Schreibweise kursiv)
R 2.5
d/t, end/ent
Ist man unsicher, ob ein Wort mit d oder t geschrieben wird, verlängert man es.
Wald ▸ Wälder, Gast ▸ Gäste,
spannend ▸ spannender ▸ spannendste
Wörter, die auf „Ende“ zurückzuführen sind, werden mit d geschrieben, die Vorsilbe „ent-“ dagegen schreibt man mit t. (s. R 1.7)
Endstation, unendlich
entstehen, entscheiden
R 2.6
é/ée/ee
Wörter mit é, ée oder ee kommen häufig aus dem Französischen. Man kann sie ohne Akzent, aber mit Doppel-e schreiben, wenn sie als „eingedeutscht“ erscheinen.
Frotté – Frottee
Dragée – Dragee
Pappmaché – Pappmaschee
(Zu Fremdwörtern vgl. R 1.17; zu ee in deutschen Wörtern vgl. R 2.1)
(empfohlene Schreibweise kursiv)
Zu eu/ei vgl. R 2.2
R 2.7
ff/fff
Doppelkonsonanten (wie ff) stehen nach kurzem betontem Vokal.
schaffen, raffen
Andere Doppelkonsonanten: Egge, Memme, rennen, wippen, rattern usw.
In Fremdwörtern können sie auch nach unbetontem Vokal auftreten.
Lotterie, raffiniert, Billion
Dreifachkonsonanten (wie fff) entstehen bei Wortzusammensetzungen.
Rohstofffrage, Schifffahrt
Andere Dreifachkonsonanten:
Schlammmassen, Pappplatten usw.
(Zu Doppelkonsonanten s. R 1.2, R 1.3, R 1.4, zum Stammprinzip R 1.7)
R 2.8
g/ig/k
Ist man unsicher, ob im Auslaut g oder k geschrieben wird, so verlängert man das Wort. Dasselbe gilt für ig/ich.
(s. auch R 2.3/R 2.5, zum Stammprinzip R 1.8)
Trug ▸ betrogen
Spuk ▸ spuken
gläubig ▸ der Gläubige
freundlich ▸ der Freundliche
Zu gh/g vgl. R 1.14
R 2.9
h
Im Wortinnern steht h immer dann, wenn ein betonter langer Vokal vorangeht und ein unbetonter kurzer Vokal folgt:
fähig, Höhe, nahen, drehen, sehen, Darlehen, Ruhe
Enthält ein Wortstamm ein h, so bleibt es auch in allen Formen und verwandten Wörtern erhalten.
befehlen ▸ befiehlt, gehen ▸ du gehst, sehen ▸ er sieht, nahen ▸ nah
In vielen Fällen steht auch ein h nach betontem langem Vokal, wenn l, m, n, r folgen:
hohl, Strahl, fühlen, lahm, nehmen, Ruhm, Sohn, ahnen, bohren, führen, Uhr, wahr, lehren, fehlen, Jahr, Wahl, Zahl, mehr, ihm, ihr, ohne, sehr, ihnen
Aber: In den meisten Fällen steht kein h!
(Zur Kennzeichnung der Vokallänge vgl. auch R 1.5 und R 1.6)
holen, malen (mit Bleistift), leeren, Literatur, Natur, Termin, Medizin
R 2.10
i/ie/ieh
Langes i wird in heimischen Wörtern in der Regel mit ie geschrieben:
ziemlich, Liebe, die, wie, sie, spielen
In wenigen Wörtern schreibt man langes i ausnahmsweise mit einfachem i:
dir, mir, wir, Bibel, Tiger, wider („gegen“)
In Fremdwörtern mit langem i ist das einfache i in der Schreibung gängig:
Klinik, Klima, Benzin, Kilo
Aber: Scharnier, informieren (ie in Nachsilben)
In wenigen deutschen Wörtern steht auch das Dehnungs-h:
Nur in: ihm, ihn, ihnen, ihr
oder sogar ie + h:
Nur in: Vieh, ziehen, fliehen, wiehern
(s. zur Vokallänge R 1.5/R 1.6, zum Dehnungs-h R 2.9)
R 2.11
k/ck (zu c s. R 2.4)
ck steht nach kurzem betontem Vokal (anstatt kk):
Zecke, zucken, pflücken, Glück, Ruck
Im Gegensatz zu anderen Doppelkonsonanten wird ck nicht getrennt:
glü-cken, re-cken
Aber: gel-len, ren-nen
Fremdwörter haben auch ein Doppel-k. Nach langem Vokal steht ein einfaches k:
Makkaroni, Akkord, Akkusativ, Mokka
Ekel, spuken, quaken, blöken
Zu ll, mm, nn s. R 2.7
Zu oo s. R 2.1
R 2.12
p/ph/f
In Fremdwörtern steht häufig ph (f-Laut):
Pharao, Alphabet, Philosophie
Empfehlung: Gängige Verbindungen mit -fon, Foto-, -graf mit f schreiben:
Telefon, Mikrofon, Fotografie, fotokopieren, Biografie
fachsprachliche Verbindungen und Fachwörter mit ph (wie im Englischen):
Photosynthese, Demographie, phonetisch
S. auch R 1.14/R 1.16
Für pp gilt R 2.7
R 2.13
r/rh (zu rr s. auch R 2.7)
In einigen Fremdwörtern wird rh statt r geschrieben:
Rhesusfaktor, Rhapsodie, Rheuma, Rhythmus
R 2.14
s-Laute
Die Schreibung der s-Laute erscheint vielen besonders kompliziert. Im Grunde folgt die Regelung aber allgemeinen Rechtschreibprinzipien.
Vor allem soll durch die Schreibung die unterschiedliche Aussprache der s-Laute wiedergegeben werden (s. R 1.1).
In der Aussprache der s-Laute kann man unterscheiden zwischen
– weichem s = stimmhaftes s = weich gesprochenes s, z. B. sausen
– und scharfem s = stimmloses s = scharf gesprochenes s, z. B. wissen.
Weich gesprochenes s wird s geschrieben:
sieben, Sand, Reise, singen, lesen
Scharf gesprochenes s wird in der Regel mit ss oder ß geschrieben:
1. mit Doppel-s nach kurzem betontem Vokal:
wissen, gewusst, Kuss, Biss, nass
Ausnahmen: des, wes, was, Endsilbe -nis
2. mit ß nach langem Vokal/Diphthong:
groß, weiß, draußen, heißen, stoßen, Straße, Fuß, Soße, Gruß, Süße, Spaß, bloß, Strauß
Mit der Unterscheidung von Doppel-s und ß beim scharf gesprochenen s werden also – wie sonst in der Rechtschreibung auch (s. R 1.2, R 1.3, R 1.4, R 1.5, R 1.6) – unterschiedliche Vokalqualitäten gekennzeichnet.
Dies führt allerdings zu folgender Erscheinung, die als Erschwernis für die Schreibung empfunden werden kann:
Je nach Kürze oder Länge des vorangehenden Vokals wechseln ss und ß auch in verwandten Wörtern:
schließen – Schloss – geschlossen, fließen – floss – Fluss, wissen – ich weiß – wusste, messen – Maß, essen – aß, reißen – gerissen – der Riss, vergessen – er vergaß, schießen – erschossen – Schuss, beißen – Biss, genießen – er genoss – Genuss
Als zweite Erschwernis können die Ausnahmen bei der Schreibung des scharfen s erscheinen, die das Stammprinzip (s. R 1.9) verlangt.
Scharf gesprochenes s muss mit einfachem s geschrieben werden, wenn es einen dazugehörigen Stamm mit weichem s gibt:
sie reiste ▸ reisen
Haus ▸ hausen
du liest ▸ lesen
Zusammenfassung zur Schreibung der gesprochenen s-Laute:
Weiches s → s
Scharfes s → s, wenn Stamm mit weichem s (Stammprinzip, s. R 1.9); ss zur Kennzeichnung des kurzen betonten Vokals (s. R 1.2); ß zur Kennzeichnung des langen Vokals (s. R 1.6)
In Zweifelsfällen, die eigentlich nur beim Schreiben des scharf gesprochenen s auftreten, helfen Proben.
Proben beim scharfen s:
1. Mit einfachem s, weil weiches s im Stamm ist? → Wörter verlängern!
Maus ▸ Mäuse, Preis ▸ Preise
2. ss, weil kurzer Vokal vorausgeht? → einsilbige Wörter verlängern, Silbentrennung: ss wird getrennt!
Kuss ▸ Küs-se, Biss ▸ Bis-se
Wis-sen, has-sen, nas-ser
3. ß, weil langer Vokal vorausgeht? → einsilbige Wörter verlängern, Silbentrennung: ß kommt ungetrennt in die Folgesilbe!
groß ▸ gro-ße, weiß ▸ wei-ßer
au-ßen, hei-ßen, Stra-ße, Fü-ße, So-ße
R 2.15
s/ss: das – dass
Beide Wörter, „das“ und „dass“, werden in der Standardsprache mit scharfem s gesprochen. Die unterschiedliche Schreibweise geht also nicht auf die Aussprache zurück, sondern will grammatische Merkmale kennzeichnen (s. Andersschreibung R 1.12).
„Das“ ist ein Artikel oder Pronomen, bezieht sich meist auf ein Substantiv und kann durch „dieses“ oder „welches“ ersetzt werden.
Was bedeutet Akkusativ? Das (dieses) weiß ich nicht.
Dies ist das Kleid, das (welches) ich dir zeigen wollte.
„Dass“ ist eine Konjunktion, die einen Nebensatz einleitet.
Wir erwarten, dass mein Vater kommt.
Ähnlich: sodass, ohne dass, dadurch dass
Es gibt weitere kurze Wörter, die wie „das“ nur auf s enden:
was, wes, des
R 2.16
t/th
In einigen Fremdwörtern wird th statt t geschrieben:
Theater, katholisch, Theke, Mathematik, Ethos, Thema, Theorie, Thermometer
Schluss-t ist oft nicht hörbar:
Depot, Ressort (s. R 1.16)
Zu Doppel-t s. R 2.7
R 2.17
v
v wird in einheimischen Wörtern wie f gesprochen und kommt nur in wenigen Wörtern am Wortanfang vor:
ver-, vor-, von, Vater, viel, vier, Vogel, Volk, voll
In fremdsprachlichen Entlehnungen kommt v auch an anderen Wortstellen vor und wird wie w gesprochen:
Pullover, Vase, Advent, nervös, Villa
R 2.18
x/chs/cks/ks/gs
Der x-Laut wird nur in wenigen Wörtern als Buchstabe x geschrieben, oft in fremdsprachlichen Entlehnungen:
Axt, Boxen, Experte, Existenz, extra, Praxis, Taxi, Hexe
In einheimischen Wörtern wird er öfter durch chs wiedergegeben:
Achse, Büchse, Fuchs, Lachs, sechs, wachsen, wechseln
In einigen Wörtern wird auch cks, ks oder gs geschrieben, wenn das Wort auf einen entsprechenden Stamm zurückgeführt werden kann.
Probe: Verlängern!
Klecks ▸ kleckern
links ▸ linke
unterwegs ▸ auf dem Wege
Zum y in Fremdwörtern s. R 1.16
R 2.19
tz/zz
tz wird nach kurzem Vokal geschrieben (anstelle von zz, s. R 1.3).
Tatzen, kratzen, Matratze, setzen
tz wird normal getrennt (anders als ck).
Tat-zen, krat-zen, set-zen
zz kommt nur in Fremdwörtern vor.
Skizze, Pizza
R 2.20
z/t/s
-tiell/-ziell, -ens/-enz/-anz
Der z-Laut wird in Fremdwörtern vor i häufig als t geschrieben.
Nation, Konfirmation, partiell, funktionell
In einigen Wörtern ist Doppelschreibung erlaubt (s. R 1.14).
potentiell – potenziell
Empfehlung: z schreiben, wenn es einen Wortstamm mit z gibt.
substanziell ▸ Substanz (auch: substantiell); finanziell ▸ Finanzen
Zu unterscheiden sind auch Endungen auf
-ens und -enz.
Konsens (Übereinstimmung),
Präsens (grammatischer Begriff: Gegenwart), aber: Präsenz (Anwesenheit)
Kleinschreibung ist auch im Deutschen die Regel. Besonders begründet werden müssen also die Großschreibung und einige Ausnahmen davon.
Die Großschreibung dient dazu,
R 3.1
Groß schreibt man das erste Wort
– in einem selbständigen Satz
Die Schule brennt.
– nach Doppelpunkt, wenn ein ganzer Satz folgt
Ausrüstung: Alle Teilnehmer sollten Regenzeug und Verpflegung mitbringen!
– aber: klein, wenn kein ganzer Satz folgtZur Ausrüstung gehören: strapazierfähige Schuhe, Windjacke, Verbandszeug.
Mathematik: gut
– in wörtlicher Rede
Sie fragte: „Kommst du morgen wieder?“ Und bat dann: „Geh jetzt bitte!“
Aber: Anschließend an wörtliche Rede innerhalb eines ganzen Satzes schreibt man klein.
„Hast du mich verstanden?“, fragte sie.
Auch eingeschobene Sätze (in Klammern oder Gedankenstrichen) beginnt man kleingeschrieben.
Dieses Haus ist (ich kenne kein schöneres Gebäude als dieses in unserer Stadt) unbedingt erhaltenswert.
Er hat – das betont er immer wieder – überhaupt kein Verständnis dafür.
– bei Überschriften, Gliederungspunkten
Massive Lawinenniedergänge in den Alpen
1. Der Mensch
3.2.1 Grundregel
R 3.2
Den Anfangsbuchstaben von Werktiteln schreibt man im Satz groß.
Ich habe den Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Márquez gelesen.
R 3.3
Substantive (Nomen) und als Substantive gebrauchte Wörter werden im Satz großgeschrieben. Wörter anderer Wortarten werden kleingeschrieben.
Wie erkennt man Substantive im Satz?
Proben:
Im Satz erkennt man Substantive daran,
– dass sie von einem Erkennungswort begleitet werden
Artikel (ein Geschrei)
Pronomen (dieses Verhalten)
Präposition (ohne Rücksicht)
Adjektiv (kindisches Geschrei)
– oder dass man das Erkennungswort, z. B. den Artikel, sinnvoll im Satz hinzusetzen könnte.
Die Michaela hat ein großes Interesse an den Fremdsprachen.
Substantive schreibt man immer groß. Das gilt auch für:
Zusammensetzungen mit Bindestrich, die substantivischen Charakter haben, und Substantive innerhalb solcher Zusammensetzungen
die Ad-hoc-Entscheidung, das Auf-die-lange-Bank-schieben; das Entweder-Oder
Substantive aus anderen Sprachen (auch innerhalb mehrteiliger Fügungen)
ein Allegro spielen; einen Caffé latte trinken; zur High Society gehören
Substantive, die Teil fester Gefüge sind
auf Grund dessen, außer Acht lassen, zu Hilfe kommen, Hof halten, in Kauf nehmen
Zahlsubstantive
ein Dutzend, eine Million, das erste Tausend, in den Achtzigern
Substantive, die Tageszeiten bezeichnen
heute Abend, gestern Mittag
Zur Schreibung der Bindestrich-Substantive s. R 3.21
3.2.2 Substantivierung
Ursprüngliche Substantive sind bereits im Wörterbucheintrag großgeschrieben. Substantivierungen erkennt man dagegen erst an ihrem Gebrauch im Satz.
R 3.4
Im Satz lassen sich Wörter aller anderen Wortarten, die im Wörterbuch meist kleingeschrieben werden, auch als Substantive gebrauchen (Substantivierung). Als Substantivierung werden sie ebenfalls großgeschrieben.
Substantivierung
– von Verben
Im Laufen bin ich gut.
– von Adjektiven
etwas Neues
– von Pronomen
dein stolzes Ich
– von Konjunktionen
dein ewiges Wenn und Aber
– von Adverbien
ein Hin und Her
– von Präpositionen
das Für und Wider bedenken
Substantivierungen erkennt man an den gleichen Erkennungswörtern und mit Hilfe der gleichen Proben, die man bei ursprünglichen Substantiven macht (s. R 3.3).
3.2.3 Besonderheiten der Substantivierung bei Verben
R 3.5
Infinitive von Verben werden häufig substantiviert.
Erkennungswort:
Artikel
Das Schreien ist fürchterlich.
Pronomen
Hör mit diesem Schreien auf.
Präposition
Durch Schreien erreichst du gar nichts.
Adjektiv
Lautes Schreien drang an mein Ohr.
Zahlwort
Alles Schreien half nicht weiter.
Probe: Doch das Schreien half nicht weiter.
R 3.6
Im Zweifelsfall klein!
Das Wörtchen zu beim Verb ist meist kein Zeichen von Substantivierung, sondern Kennzeichen der normalen Infinitivform des Verbs.
Hör auf zu schreien!
Ich habe keine Lust, schwimmen zu gehen.
Aber: Kommst du mit zum Schwimmen?
Sind Zweifelsfälle auch durch eine Probe nicht eindeutig zu lösen, so wird kleingeschrieben.
Thomas lernt singen. Lernt Thomas das Singen? Oder lernt Thomas zu singen?
→ kleinschreiben!
Die Substantivierung des Verbs kommt häufiger auch in Fügungen mit Bindestrich vor:
das Auf-der-faulen-Haut-Liegen, ein Hand-in-Hand-Arbeiten (zur Schreibung der Bindestrichwörter s. R 3.21).
3.2.4 Besonderheiten der Substantivierung bei Adjektiven, adjektivisch gebrauchten Partizipien und Zahladjektiven
R 3.7
Substantivierte Adjektive, Partizipien und Zahladjektive werden großgeschrieben.
der Kleine, die Schreiende, der Dritte, im Allgemeinen, im Einzelnen, das Folgende,
ein Fest für Junge und Alte, am Ersten des Monats, der Nächste, bitte!
Sie werden häufig auch von unbestimmten Zahl- oder Mengenangaben begleitet; der Zusatz einer solchen Angabe kann als Probe dienen.
alles Übrige, etwas Schwieriges, manches Gute, wenig Interessantes, viel Erfreuliches
Der Geehrte hat viel/etwas Hervorragendes geleistet.
Auch Substantivierungen ohne Präposition werden großgeschrieben.
jenseits von Gut und Böse; auf Rot schalten, ganz in Grau gekleidet, mit Englisch durchkommen, Alt und Jung
In festen Fügungen aus Präposition und nicht dekliniertem Adjektiv ohne Artikel schreibt man klein.
von nah und fern, von klein auf, in bar
bezahlen, schwarz auf weiß
In festen Fügungen aus Präposition und dekliniertem Adjektiv ohne Artikel kann man klein oder groß schreiben.
von weitem/Weitem
bis auf weiteres/Weiteres
von neuem/Neuem
R 3.8
Adjektive, die einem Substantiv zugeordnet sind, werden in der Regel kleingeschrieben.
eine allgemeine Frage, der blaue Himmel, ein schöner Sommer, die deutsche Sprache
Ein substantiviertes Adjektiv wird großgeschrieben.
im Allgemeinen, das Blau des Himmels, das Schöne des Sommers, im Deutschen sagt man
Adjektive mit Artikel werden kleingeschrieben, wenn sie Attribut zu einem vorausgehenden oder folgenden Substantiv sind.
Die kleinen Wünsche erfüllen wir uns sofort, die großen verschieben wir auf später.
Von allen Säugetieren ist der Wal das schwerste.
Rosen mag Katharina gern. Die gelben liebt sie besonders.
Zur Schreibung von Adjektiven in Namen, Titeln und Herkunftsbezeichnungen s. R 3.17, R 3.18, R 3.19
R 3.9
Nicht substantiviert und kleinzuschreiben sind Superlative mit dem Steigerungszeichen am.
Julia springt am höchsten, am besten, am schönsten.
Proben: Ist am nicht durch an dem zu ersetzen? Kann man „wie“ fragen? Dann kleinschreiben!
an dem höchsten?
Wie springt sie? Am besten!
Bei festen adverbialen Formen mit „aufs“ und „auf das“ mit Superlativ ist Groß- oder Kleinschreibung möglich.
aufs beste Beste, auf das herzlichste/Herzlichste
Aber (nur groß): sein Bestes leisten, zum Besten geben, das Beste für dich
Zur Schreibung von Adjektiven in Namen und Herkunftsbezeichnungen s. R 3.18/R 3.19
3.3 Groß- und Kleinschreibung bei Substantiv-Ähnlichkeit
3.3.1 Desubstantivierung
Einige Wörter sehen aus wie Substantive, werden aber nicht mehr als solche empfunden. Wenn ein früheres Substantiv seine substantivischen Merkmale eingebüßt und die Funktion einer anderen Wortart übernommen hat (Desubstantivierung), wird es kleingeschrieben.
3.3.2 Scheinsubstantive
Einige Wörter haben die Erkennungswörter von Substantiven bei sich, sind aber keine echten Substantive. Wenn ein Wort trotz Erkennungszeichen kein echtes Substantiv ist (Scheinsubstantiv), wird es kleingeschrieben.
R 3.10
Kleingeschrieben werden Adverbien, die auf -s enden und meist Tageszeiten oder Wochentage betreffen.
samstags, nachts, anfangs, abends, morgens, mangels, angesichts, teils ... teils
Aber: heute Abend, morgen Mittag, gestern Morgen; heute früh, österr. auch: heute Früh
R 3.11
Kleingeschrieben werden die Adjektive angst, bang, bankrott, feind, gram, pleite, recht, schuld in Verbindung mit sein, bleiben, werden.
Du bist schuld. Mir wird angst. Ich bin pleite. Er ist bankrott. Das soll mir recht sein!
Ausnahme: recht/Recht, unrecht/Unrecht. Hier gelten beide Schreibweisen:
recht/Recht behalten, bekommen, geben; unrecht/Unrecht haben, tun
Aber: Das Substantiv schreibt man groß.
Das ist deine Schuld. Ich habe Angst. Er macht Pleite/Bankrott.
R 3.12
Kleingeschrieben werden die Präpositionen dank, kraft, laut, statt, trotz, zeit, um ... willen, die den Genitiv verlangen.
dank deiner Hilfe, laut Plan, trotz deiner Unfreundlichkeit, zeit seines Lebens, um unserer Freundschaft willen
R 3.13
Kleingeschrieben werden die unbestimmten Zahlwörter ein bisschen (= ein wenig) und ein paar (= einige)
ein bisschen Zucker, ein klein bisschen Milch; ein paar Äpfel
Aber: ein Paar Schuhe
R 3.14
Kleingeschrieben werden Verbverbindungen mit nicht mehr eigenständigem substantivischem Bestandteil: heim-, irre-, leid-, not-, stand-, preis-, statt-, teil-, wunder- in getrennter Stellung.
Fahr mich heim! Fred nimmt teil. Er gibt sein Geheimnis nicht preis. Wir laufen eis. Er stand kopfProbe: Infinitiv bilden!
heimfahren, teilnehmen, preisgeben, eislaufen, kopfstehen
In bestimmten festen Fügungen kann klein- und großgeschrieben werden:
achtgeben/Acht geben; achthaben/Acht haben.
Dagegen wird nur großgeschrieben bei:
in Acht nehmen, außer Acht lassen
gib gut acht! Sie hat große Acht darauf gegeben.
Die Substantivierung wird großgeschrieben.
das Inachtnehmen, das Außerachtlassen
R 3.15
Kleingeschrieben werden gewisse unbestimmte Zahlwörter und Pronomen, auch wenn sie mit Artikel verbunden werden. Man sollte sich diese Ausnahmen merken!
viel, das meiste, wenig/das wenigste, (der) eine, (die) andere, (ein) jeder, (die) beiden, (das) alles, manche
Aber: Wenn der substantivische Charakter
betont werden soll, kann auch großgeschrieben werden.
Grüße die deinen/Deinen!
Jedem das seine/Seine!
Possessivpronomen mit bestimmtem Artikel können klein- oder großgeschrieben werden.
die Meinung der vielen/Vielen; Sehnsucht nach dem anderen/Anderen; das ist etwas anderes/Anderes!
R 3.16
Kardinalzahlen unter einer Million und Ordinalzahlen (auch in festen Verbindungen) schreibt man klein.
die ersten sieben, acht minus zwei, diese zwölf, mitte achtzig sein;
zum achten Mal, das vierte Gebot, das siebte Weltwunder
Aber: bei Substantivierung wird das Zahlwort großgeschrieben.
jeder Zehnte; die Achtzig erreicht haben
Bruchzahlen mit -tel und -stel schreibt man klein, wenn sie vor Maßangaben oder Kardinalzahlen stehen (Uhrzeitangabe); in allen anderen Fällen schreibt man sie groß.
ein viertel Liter Milch, (aber: einen Viertelliter Milch trinken!) viertel vor fünf (Uhr)
ein Achtel der Fläche, ein Drittel der Summe
Zur Getrennt- und Zusammenschreibung bei Zahlen s. R 4.19
3.4.1 Eigennamen und Bezeichnungen
R 3.17
Eigennamen werden großgeschrieben. In mehrteiligen Eigennamen schreibt man das erste und alle weiteren Wörter außer Artikeln, Konjunktionen und Präpositionen groß. Als Eigennamen gelten:
– Personennamen
Peter Müller, Friedrich der Große, Bettine/Bettina von Arnim
– Geografische Namen
Berlin-Mitte, Freie und Hansestadt Hamburg, Lange Gasse, Totes Meer, Hohe Tatra, Fränkische Schweiz
– Historische Ereignisse, Epochen
der Westfälische Friede(n), die Antike
– Titel von Institutionen, Organisationen, Firmen, Zeitungen
das Rote Kreuz, das Zweite Deutsche Fernsehen, der Heilige Vater, der Erste Bürgermeister, die SPD
– Andere feste Bezeichnungen (für Himmelskörper, Bauwerke, Orden o. Ä.)
Großer Wagen, der Schiefe Turm von Pisa,das Eiserne Kreuz, der Englische Garten
– Klassifikationen in Botanik und Zoologie
das Fleißige Lieschen, die Gemeine Stubenfliege, die Schwarze Witwe, der Deutsche Schäferhund
R 3.18
Großgeschrieben werden in mehrteiligen Bezeichnungen
– alle Substantive und Adjektive
Großer Wagen, Deutscher Bundestag, Frankfurter Rundschau
– das erste Wort (außer dem Artikel)
In der Unteren Lindengasse, die Vereinigten Staaten von Amerika
– jedes erste Wort bei Namen von Gaststätten sowie Titeln von Zeitschriften, Filmen, Büchern
Zum Bären (Gasthaus), Der Spiegel, Der Tod in Venedig
R 3.19
Herkunftsbezeichnungen werden unterschiedlich geschrieben.
– Bezeichnungen auf -er werden großgeschrieben
die Essener Bevölkerung, die New Yorker Rapperszene, der Pariser Charme
– adjektivische Ableitungen auf –(i)sch, -haft o. Ä. werden kleingeschrieben
französische Küche, das kopernikanische Weltsystem, die goetheschen Dramen, die platonischen Dialoge
Aber: als fester Bestandteil eines Namens oder Titels und bei apostrophiertem Personennamen wird großgeschrieben
Technisches Hilfswerk, der Westfälische Friede(n), Weströmisches Reich; die
Goethe‘schen Dramen, die Stein-Hardenberg‘schen Reformen
R 3.20
In festen Verbindungen von Adjektiv und Substantiv, die keine Eigennamen sind (auch wenn sie wie Namen aussehen), wird das Adjektiv in der Regel kleingeschrieben.
das neue Jahr, die höhere Mathematik, die graue Maus, der bunte Hund, paradiesische Ruhe, die alten Griechen, ein englischer Garten
Zur Hervorhebung einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung ist Klein- und Großschreibung des Adjektivs möglich.
das schwarze/Schwarze Brett (= Anschlagtafel)
das Schwarze Loch (= Terminus der Astrophysik)
der weiße/Weiße Tod (= Lawinentod), der letzte/Letzte Wille
(= Testament); die erste/Erste Hilfe
In bestimmten Wortgruppen wird das Adjektiv großgeschrieben, obwohl kein Eigenname vorliegt: bei (Ehren)titeln, Amtsbezeichnungen, besonderen Kalendertagen, in fachsprachlichen Ausdrücken.
der Heilige Vater,
der Regierende Bürgermeister von Berlin,
der Erste Mai, der Goldene Schnitt
3.4.2 Bindestrich-Schreibung
R 3.21
Werden Wörter mit Bindestrichen aneinandergereiht oder mehrteilige Zusammensetzungen mit Bindestrichen gebildet, werden Substantive sowie das erste Wort großgeschrieben; das gilt auch für substantivisch gebrauchte Einzelbuchstaben.
Science-Fiction, Ich-AG, ICE-Strecke, das Sowohl-als-auch, der Trimm-dich-Pfad, Georg-Büchner-Preis, Kopf-an-Kopf-Rennen; die Mund-zu-Mund-Beatmung
Bei Abkürzungen und Einzelbuchstaben oder -ziffern ändert sich die Groß- und Kleinschreibung nicht.
das Zungen-r, eine x-beliebige Zahl, der
pH-Wert, 100-m-Lauf, 8-fach, 8-jährig,
1-Euro-Stück
In substantivisch gebrauchten Zusammensetzungen wird das Verb großgeschrieben:
Das ist ja zum Aus-der-Haut-Fahren!
Zur Setzung von Bindestrichen s. R 4.21ff.
R 3.22
Bei mehrteiligen substantivischen Fremdwörtern mit Bindestrich werden das erste Wort und alle substantivischen Bestandteile großgeschrieben.
Free-TV; Duty-free-Shop; De-facto-Regierung; Make-up-Täschchen;
Know-how-Transfer; Burn-out-Syndrom
Aber: Bei festen Fügungen mit Adverbien werden die Substantive kleingeschrieben.
ein A-cappella-Chor; die Al-dente-Spaghetti, eine De-facto-Regelung
Zu Tendenzen der Fremdwortschreibung s. R 1.13 ff.
3.4.3 Anredepronomen und Höflichkeitsanrede
R 3.23
Nur die Anrede mit dem Höflichkeitspronomen „Sie“ und dem dazu gehörenden Possessivpronomen „Ihr” wird großgeschrieben, um sie vom einfachen Pronomen „sie“ unterscheiden zu können.
Wie schön, Sie einmal wiederzusehen! Geht es Ihnen gut? Was macht Ihr Vater eigentlich? Wollen Sie sich das noch einmal überlegen?
Dagegen schreibt man die vertraulichen Anreden „du“ und „ihr“ sowie das Reflexivpronomen „sich“ immer klein.
Wie schön, dich einmal wiederzusehen! Wie geht es euch? Was macht dein Vater?
Aber: In Briefen sind für „du“, „ihr“ und die dazugehörigen Possessivpronomen beide Schreibweisen möglich:
Ich schreibe dir/Dir aus dem Urlaub und sende euch/Euch allen meine Grüße
In bestimmten älteren Anredeformen schreibt man groß.
Wie kann ich Euch dienen, gnädiger Herr?
Höre Er mir gut zu!
Die Getrennt- und Zusammenschreibung gilt als eines der schwierigsten Kapitel der Rechtschreibung. Das hängt auch mit einer Eigenart der deutschen Wortbildung zusammen. Im Deutschen kann man – im Gegensatz etwa zum Englischen und Französischen – Wortgruppen so zusammenziehen, dass sie einen neuen Wortkörper bilden:
|
Erwachsenenbildung |
adult education |
éducation des adultes |
|
Ganztagsschule |
normal day school |
école à plein temps |
Was nützlich für die Wortbildung ist, kann bei der Rechtschreibung zu Zweifelsfällen darüber führen, wie man benachbarte Wörter behandeln muss: Habe ich es mit einer Zusammensetzung oder mit einer losen Wortgruppe zu tun? Wird zusammengeschrieben oder getrennt geschrieben?
Grundregel: Bei Getrennt- und Zusammenschreibung gilt der Tradition der deutschen Sprache folgend die Zusammenschreibung in den meisten Fällen. Für die Zusammenschreibung sind mehrere Kriterien wichtig, die weiter unten noch im Detail behandelt werden:
4.1.1 Das Akzentmuster
Die Betonung der einzelnen Wortbestandteile kann viel über die Schreibung des Wortes aussagen: liegt ein zusammenfassender Wortakzent vor, wird zusammengeschrieben (abwärtsfahren). Hat jeder einzelne Bestandteil der Wortkombination seinen eigenen Akzent, wird getrennt geschrieben (aneinander angrenzen), s. R 4.5.
4.1.2 Die Gesamtbedeutung
Die Gesamtbedeutung eines zusammengesetzten Wortes bestimmt über dessen Schreibung. Entsteht eine Bedeutung, die über die Bedeutungen der einzelnen Wortteile hinausgeht, wird zusammengeschrieben (schwerfallen = Mühe machen, heimlichtun = geheimnisvoll tun, richtigstellen = berichtigen), s. R 4.6.
Lässt sich keine klare Entscheidung darüber treffen, ob eine idiomatisierte Gesamtbedeutung vorliegt, so bleibt es dem Schreibenden überlassen, getrennt zu schreiben oder zusammenzuschreiben.
4.1.3. Die Selbständigkeit eines Substantivs
Bei Verbindungen von Substantiven mit Verben stellt sich oft die Frage, inwieweit das Substantiv als „selbständig“ eingestuft wird, das heißt, ob es eine Sinneinheit mit dem Verb bildet oder nicht. Dies ist oft schwer einzuschätzen. Daher gibt es Fälle, in denen beide Schreibweisen möglich sind (achtgeben/Acht geben), s. R 4.6.
In der folgenden Darstellung der einzelnen Regeln wird immer wieder Bezug auf diese drei Kriterien genommen, da sie essenziell für die Getrennt- und Zusammenschreibung sind.
Schreibt man zusammen, so entsteht eine Wortzusammensetzung, ein neuer Ausdruck.
Oft kann man deshalb schon vom Sinn her entscheiden, ob zusammengeschrieben werden muss.
Immer zusammengeschrieben werden folgende Wortverbindungen:
4.2.1 Substantive und Substantivierungen
R 4.1
Immer zusammengeschrieben werden Zusammensetzungen, bei denen der letzte Wortteil ein Substantiv
Birnbaum, Dienstagabend, Viererbob, Leerlauf, Außenpolitik, Nichtraucherabteil
oder eine Substantivierung darstellt.
das Skifahren, beim Spazierengehen, das Dasein, die Getrenntschreibung
4.2.2 Enge Wortverbindungen
R 4.2
Immer zusammengeschrieben werden solche engen Wortverbindungen, meist Adjektive,
– bei denen ein Bestandteil nicht selbständig ist oder als Wortart nicht eindeutig erkennbar ist
schnelllebig, fehlschlagen, wissbegierig, kundtun, übereinstimmen, achtfach
– die durch ein Fugenelement gekoppelt sind
hilfsbereit, zukunftsorientiert, sonnenarm, werbewirksam
– bei denen ein erster einfacher Teil den zweiten verstärkt oder vermindert
gemeingefährlich, brandaktuell, topmodisch, lauwarm, minderwertig
– die komprimiert wirken, weil Präpositionen, Artikel oder Konjunktionen eingespart werden
altersschwach (= durch das Alter geschwächt), butterweich (= so weich wie Butter), freudestrahlend (= vor Freude strahlend), denkfaul
– die gleichrangig (nebengeordnet) sind
hellgrün, feuchtwarm, süßsauer
4.2.3 Mehrteilige Partikeln
R 4.3
Mehrteilige Partikeln (Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen) werden in der Regel zusammengeschrieben, wenn die einzelnen Teile nicht mehr deutlich erkennbar sind.
indessen, indem, infolge, allerdings, keinesfalls, diesmal, einmal, vielmals, einigermaßen, einerseits, ebenso, umso, meistenteils, deswegen, bisweilen, probeweise, jederzeit, allzu, hierzu, beinahe, derzeit, irgendwann, irgendwie, irgendwer, irgendeine, zuerst, zunächst, sobald, soviel, sooft, anhand, inmitten
Sind die einzelnen Bestandteile deutlich erkennbar oder wird ein Bestandteil erweitert, schreibt man getrennt. Wird bei Zusammensetzungen mit so- auf der ersten Silbe betont, schreibt man gleichfalls getrennt.
zu Ende gehen, zu Hilfe kommen; zur Zeit Luthers; statt dass, außer dass; gar nicht, gar kein
diesmal, aber: dieses eine Mal
irgendein, aber: irgend so ein
Wenn man den Ausdruck als Zusammensetzung oder als Wortgruppe verstehen kann, sind Zusammen- und Getrenntschreibung möglich:
soweit ich weiß, aber: das ist ja so weit
sooft er kommt, aber: kommt er so oft?
außerstande/außer Stande; imstande/im Stande; zumute/zu Mute; zustande/zu Stande; zuschulden/zu Schulden; zutage/zu Tage; aufgrund/auf Grund; zuwege/zu Wege
4.2.4 Untrennbare Verben
R 4.4
Stets zusammengeschrieben werden auch untrennbare Verben.
frühstücken (ich frühstücke – du frühstücktest – sie hat gefrühstückt);
handhaben (ich handhabe – du handhabst – er hat gehandhabt)
In einigen Fällen kann man Fügungen mit einem substantivischen ersten Bestandteil als untrennbares zusammengesetztes Verb ansehen oder als trennbare Wortgruppe. Entsprechend ist Zusammen- und Getrenntschreibung möglich.
staubsaugen: er staubsaugt/er saugt Staub
danksagen: lasst uns danksagen/wir sagen Dank
gewährleisten: er gewährleistet/er leistet Gewähr
Zur Unterscheidung von untrennbaren und trennbaren Verben s. R 4.10 ff.
4.2.5 Zusammengesetztes Verb mit Verbpartikel
R 4.5
Immer zusammengeschrieben werden Verben, die eine Verbpartikel als ersten Bestandteil haben, die auch den Hauptakzent trägt.
Unter Verbpartikeln versteht man Bestandteile, die die Form von Präpositionen oder Adverbien haben oder unselbständige Wörter sind, die nur noch in zusammengesetzten Wörtern vorkommen.
aufbrechen, ankommen, weggehen,
entgegenkommen, entlanggehen, gegenüberstehen, abhandenkommen, abwärtsgehen, beieinanderbleiben, durcheinanderreden, beiseitelegen, daheimbleiben, auseinandersetzen; aneinandernähen;
anheimfallen, feilbieten, einhergehen, fürliebnehmen
Auch die aus diesen Verben gebildeten Partizipien (und ihre Substantivierungen) werden zusammengeschrieben.
aneinandergenähte Stoffe; das Aneinandergenähte; sie sind dageblieben; die Dagebliebenen; zusammenhängende Teile; das Zusammenhängende
Aber: Liegt der Hauptakzent auf dem Verb (steht das Adverb also selbständig), schreibt man getrennt.
aneinander angrenzen, sich aneinander freuen, näher beisammen sitzen, sich aneinander gewöhnen
Bei Verbindungen mit „sein“ wird immer getrennt geschrieben.
aus sein, vorbei sein; in der letzten Zeit sind sie wieder auseinander gewesen
4.2.6 Andere Verbverbindungen
R 4.6
Es wird immer zusammengeschrieben, wenn sich aus den Bestandteilen eine neue Gesamtbedeutung gebildet hat (Idiomatisierung), die nicht aus der „Verrechnung“ der Einzelbedeutungen erschließbar ist. Dies gilt bei:
– Adjektiv + Verb (auch in den entsprechenden Partizipformen)
das würde ihm ähnlichsehen (= typisch sein); er wird mich krankschreiben (= Arbeitsunfähigkeit bescheinigen); jemanden freisprechen (= gerichtlich Schuld absprechen); eine alleinstehende Frau
– Partikel + Verb
Leute, die alleinstehen (= ohne Lebenspartner leben); sich näherkommen (= intim werden), sich wiedersehen (= wieder zusammentreffen), sich auseinanderleben (= entfremden)
– Verb + Verb in der Verbindung mit -bleiben, -lassen und -lernen
sitzenbleiben (= die Klasse wiederholen), liegenbleiben (= unerledigt bleiben), jemanden kennenlernen (= Bekanntschaft machen)
Aber: auf dem Stuhl sitzen bleiben (= nicht aufstehen), liegen bleiben (= am Platz bleiben), etw. kennen lernen (= Erfahrungen mit etw. machen)
Die Substantivierung aus der Verbindung von zwei Verben schreibt man immer zusammen: der Krankgeschriebene, Freigesprochene, das Sitzenbleiben, das Hörensagen, das Fliegenlassen
– Zusammengeschrieben werden Zusammensetzungen von einem ersten substantivischen Bestandteil + Verb, wenn der substantivische Bestandteil seine Eigenständigkeit verloren hat. In getrennter Stellung wird kleingeschrieben (s. R 3.14).
eislaufen, kopfstehen, leidtun, nottun, teilhaben, standhalten, stattfinden, wundernehmen;
ich laufe eis, er steht kopf, das tut mir leid, das tut jetzt not, er hat daran teil
– In bestimmten festen Fügungen kann es sich bei der Verbindung von Substantiv und Verb um eine Zusammensetzung oder um eine Wortgruppe handeln. Entsprechend schreibt man dort zusammen oder getrennt.
Zu Groß- und Kleinschreibung in diesen Fällen s. R 3.14
achtgeben/Acht geben (aber nur: besonders achtgeben); achthaben/Acht haben; haltmachen/Halt machen; maßhalten/Maß halten (aber nur: sehr maßhalten)
4.2.7 Zusammengesetzte Partizipien
R 4.7
Zusammengesetzte Partizipien werden zusammengeschrieben, wenn das zugrunde liegende Verb im Infinitiv auch zusammengeschrieben wird.
wehklagend, herunterfallend, heruntergefallen, irreführend, irregeführt, teilnehmend, teilgenommen
Sind im Infinitiv Zusammen- und Getrenntschreibung möglich (s. R 4.15), so schreibt man auch im Partizip zusammen oder getrennt.
das blankgeputzte/blank geputzte Messer;
die bekanntgegebene/bekannt gegebene Meldung; der verlorengegangene/verloren gegangene Schlüssel
Kann das zusammengesetzte Partizip gleichermaßen als Zusammensetzung wie als syntaktische Fügung angesehen werden, schreibt man – je nachdem – zusammen oder getrennt.
eine alleinerziehende/allein erziehende Mutter; aber nur: die ihren Sohn ganz allein Erziehende
ein ratsuchender/Rat suchender Bürger; aber nur: ein kompetenten Rat suchender Bürger
das notleidende/Not leidende Volk; aber nur: das äußerste Not leidende Volk
ein aufsehenerregendes/Aufsehen erregendes Ereignis; aber nur: das aufsehenerregendste Ereignis dieses Jahres
eine Alleinerziehende/eine allein Erziehende
Dies gilt auch bei Substantivierung.
4.3.1 Verbverbindungen
R 4.8
Immer getrennt geschrieben werden folgende Verbverbindungen, wenn keine neue idiomatische Gesamtbedeutung vorliegt:
– Verb + Verb
Ist der erste Bestandteil ein Verb oder ein Partizip, schreibt man getrennt.
spazieren gehen, lesen lernen, versteckt halten; genehmigt bekommen
Nur wenn eine eigenständige neue Bedeutung vorliegt (Idiomatisierung), schreibt man zusammen.
auf dem Stuhl sitzen bleiben, den Hund auf der Decke liegen lassen (= zulassen); den Brief zusammen schreiben (= gemeinsam)
Aber: in der Schule sitzenbleiben (= nicht versetzt werden), den Schlüssel liegenlassen (= vergessen mitzunehmen); Wörter zusammenschreiben (= als ein Wort schreiben)
Die Substantivierung einer Verbindung aus zwei Verben schreibt man immer zusammen.
das Sitzenbleiben (auf dem Stuhl, des Schülers), das Liegenlassen (zulassen; vergessen), das Zusammenschreiben (gemeinsam, von Wörtern); das Versteckthalten, das Genehmigtbekommen
– Wort + Verb „sein“
Verbindungen mit „sein” werden immer getrennt geschrieben:
zufrieden sein, da sein, dabei sein (ich bin dabei gewesen)
– Substantiv + Verb
Verbindungen aus Substantiv und Verb schreibt man getrennt.
Auto fahren, Radio hören, Zeitung lesen, Rad fahren, Not leiden, Angst machen, Diät leben, Geige spielen
Nur wenn das Substantiv (in Verbindung mit dem Verb) keine eigenständige Bedeutung mehr hat, schreibt man zusammen, s. R 4.6
eislaufen, kopfstehen, standhalten
Substantivierungen schreibt man immer zusammen.
das Radfahren, das Zeitunglesen, das Geigespielen, das Eislaufen, das Kopfstehen
– Adjektiv + Verb
In Verbindung mit einem einfachen Adjektiv in konkreter Bedeutung sowie mit einem komplexen oder erweiterten Adjektiv schreibt man getrennt.
schnell laufen, gut machen, allein erziehen, übrig bleiben, freundlich grüßen, besser wissen;
wetterfest machen, schachmatt setzen, ganz schnell fahren, sehr weit fliegen.
Hat das Verb eine Verbpartikel, schreibt man getrennt.
Zusammen oder getrennt schreibt man bei resultativen Prädikativen (s. R 4.15) und in Fällen, in denen nicht entschieden werden kann, ob es eine neue (idiomatisierte) Gesamtbedeutung gibt (s. R 4.20).
die Wand weiß anstreichen, aber: die Wand weißstreichen/weiß streichen
4.3.2 Wortgruppen mit Adjektiven und Partizipien
R 4.9
Getrennt geschrieben wird in den Wortgruppen
– Adjektiv + Adjektiv
– Adjektiv + Partizip
wenn der erste Bestandteil erweitert oder gesteigert ist.
(sehr) eng verwandt, sehr nah befreundet, eine dichter befahrene Straße;
besonders gut verträglich, besser verträglich, sehr gut verträglich, besonders gut verträglich;
besonders weit reichend, weiter reichend, am weitesten reichend
Ist aber die ganze Verbindung erweitert oder gesteigert, schreibt man zusammen.
eine solche besserverträgliche Nahrung,
eine weitreichendere Entscheidung,
Bei adjektivischem Gebrauch ohne Erweiterung oder Steigerung im ersten Teil schreibt man zusammen oder getrennt.
ein allgemeingültiger/allgemein gültiger Satz;
ein schwerverständlicher/schwer verständlicher Text; ein enganliegendes/eng anliegendes Kleid; ein auswendiggelerntes/auswendig gelerntes Gedicht
– Partizip + Adjektiv
schreibt man getrennt:
glühend heiß, strahlend hell, leuchtend blau
Verbindungen von nicht(s)- mit Adjektiven schreibt man zusammen oder getrennt.
nichtehelich/nicht ehelich
nichtöffentlich/nicht öffentlich
nichtsahnend/nichts ahnend; aber:
die Sitzung findet nicht öffentlich statt
Aber: freudestrahlend (s. R 4.2).
Diese Frage „zusammen oder getrennt (oder beides)?”stellt sich bei den bisher behandelten Fällen immer wieder. In diesem Abschnitt sollen einige Aspekte dazu verdeutlicht werden.
Besonders zu beachten sind:
4.4.1 Trennbarkeit und Untrennbarkeit bei mehrteiligen Verben
Mehrteilige Verben führen besonders häufig zu Zweifeln im Hinblick auf die Zusammen- und Getrenntschreibung. Solche Verben bestehen aus einem Verbzusatz und dem eigentlichen Verb: fallen, werfen, reichen, weilen, bringen, folgern.
Der Verbzusatz kann aus einer Vorsilbe oder aus einem ursprünglich selbständigen Wort bestehen.
Kann man ein mehrteiliges Verb eindeutig als untrennbares Verb (feste Verbverbindung) einordnen, kann man sicher sein, dass man seine Teile immer zusammenschreibt (s. R 4.4).
Ist dagegen ein mehrteiliges Verb trennbar (unfeste Verbverbindung), schreibt man seine Bestandteile im Infinitiv, in den Partizipien und bei Endstellung des Verbs im Nebensatz zusammen.
4.4.2 Wie unterscheidet man untrennbare und trennbare Verben?
|
Formen |
untrennbare Verben |
trennbare Verben |
|
Infinitiv |
widersprechen |
heimbringen |
|
Präsens |
ich widerspreche |
ich bringe sie heim |
|
Präteritum |
ich widersprach |
ich brachte sie heim |
|
Perfekt |
ich habe widersprochen |
ich habe sie heimgebracht |
|
Partizip Präsens |
(dir) widersprechend |
(sie) heimbringend |
|
Infinitiv mit zu |
ohne dir zu widersprechen |
ohne sie heimzubringen |
|
Verb im Nebensatz |
der Anlass, bei dem ich dir widersprach |
der Anlass, bei dem ich sie heimbrachte |
Untrennbare Verben erkennt man daran, dass die Reihenfolge ihrer Bestandteile immer erhalten bleibt.
Trennbare Verben erkennt man daran, dass sich die Reihenfolge ihrer Bestandteile je nach der Stellung des Verbs im Satz ändert.
R 4.10
Untrennbare Verben werden in allen Formen zusammengeschrieben.
frohlocken, frohlockend, sie frohlockte, hat frohlockt; übersetzen, übersetzend, er übersetzte, hat übersetzt
Wie erkennt man ein untrennbares Verb?
Probe: Setzt man das Verb ins Präsens oder Präteritum, bleibt die Reihenfolge und die Zusammengehörigkeit der Wortteile bestehen:handhaben ▸ sie handhabte den Tennisschläger, maßregeln ▸ er maßregelte uns schon wieder, vollenden ▸ wir vollenden das Werk
R 4.11
Trennbare Verben werden zusammengeschrieben, wenn Verbzusatz und Verb unmittelbar nebeneinander stehen oder durch „zu“ verbunden sind (in Infinitiven, als Partizipien und bei Endstellung im Nebensatz).
herausfinden: Ich habe etwas herausgefunden.
umfallen: Ohne umzufallen umspielte sie die Gegnerin.
fehlschlagen: Der Anschlag schlug fehl. Nachdem er fehlgeschlagen war ...
Zum Erkennen trennbarer Verben s. R 4.12, R. 4.13, R 4.14
R 4.12
Trennbare Verben haben meist bestimmte Partikeln als Verbzusatz:
ab-, an-, auf-, aus-, bei-, beisammen-, da-, dabei-, dagegen-, daher-, dahin-, daneben-, dar-, d(a)ran-, d(a)rein-, da(r)nieder-, darum-, davon-, dawider-, dazu-, dazwischen-, drauf-, drauflos-, drin-, durch-, ein-, einher-, empor-, entgegen-, entlang-, entzwei-, fort-, gegen-, gegenüber-, her-, herab-, heran-, herauf-, heraus-, herbei-, hernieder-, herüber-, herum-, herunter-, hervor-, herzu-, hin-, hinab-, hinan-, hinauf-, hinaus-, hindurch-, hinein-, hintan-, hintenüber-, hinterher-, hinüber-, hinunter-, hinweg-, hinzu-, inne-, los-, mit-, nach-, nieder-, ran-, über-, überein-, um-, umher-, umhin-, unter-, vor-, voran-, vorauf-, voraus-, vorbei-, vorher-, vorüber-, vorweg-, weg-, weiter-, wider-, wieder-, zu-, zurecht-, zurück-, zusammen-, zuvor-, zuwider-, zwischen-.
Diese Partikeln tragen in der Regel den Akzent. Mit Hilfe des Akzentprinzips kann man (bei gleichlautenden Partikeln, aber in verschiedenen Bedeutungen) trennbare von untrennbaren Verben unterscheiden:
trennbar: umfahren (= fahrend zu Fall bringen), durchfahren (= nicht aussteigen), durchsetzen (= mit Nachdruck fordern), übersetzen (mit dem Boot ans andere Ufer)
untrennbar: umfahren (= um etw herum fahren), durchfahren (= querdurch fahren), durchsetzen (= vermischen), übersetzen (einen Text in eine andere Sprache bringen)
R 4.13
Achtung! Einige der als Verbpartikel vorkommenden Wörter können auch als selbständige Adverbien in Wortgruppen auftreten; man erkennt dies an der gleich starken Betonung von Partikel und Verb. In solchen Fällen schreibt man getrennt.
Das Klavier klingt merkwürdig; das wird wohl daher kommen, dass es verstimmt ist.
Er wollte lieber vorwärts gehen als rückwärts.
R 4.14
Zu den trennbaren Verben gehören auch solche, deren erster Bestandteil aus folgenden Wörtern und Wortarten besteht:
– aus einem nicht steigerbaren Adjektiv
bereithalten, totschlagen, schwarzarbeiten, fernsehen
Probe: *ferner sehen, *schwärzer arbeiten nicht sinnvoll! (Idiomatische Gesamtbedeutung, s. R 4.6).
– aus einem ehemaligen Substantiv oder einer nicht eindeutig erkennbaren Wortart
haushalten, heimzahlen, irreführen, standhalten, stattfinden, teilnehmen, wettmachen, wundernehmen, fehlschlagen, kundtun
– In wenigen Fällen mit Substantiv kann man das Verb als trennbar oder als untrennbar auffassen (s. R 4.4)
Marathon laufen/marathonlaufen (nur: er läuft Marathon);
Brust schwimmen/brustschwimmen (nur: er schwimmt Brust),
auch: Dank sagen/danksagen; Staub saugen/staubsaugen (s. R 4.4)
Regel:
Alle Zusammensetzungen aus Präposition + Verb mit Betonung auf dem zweiten Bestandteil sind untrennbare Verben (durchbrechen, wiederholen, unterstellen, übersetzen, unterschlagen, durchreisen, umkreisen, überholen, durchsuchen ...).
Alle Zusammensetzungen aus Präposition + Verb mit Betonung auf dem ersten Bestandteil, mit einem nicht steigerbaren Adjektiv oder einem (in verbalem Zusammenhang) nicht selbständigen Substantiv als erstem Bestandteil, sind trennbare Verben.
4.4.3 Resultative Prädikate
Bei mehrteiligen Verben, die den Abschluss einer Tätigkeit zum Ausdruck bringen (resultative Prädikate), sind einige Besonderheiten zu beachten.
R 4.15
Adjektiv + Verb/Partizip
Ist das Adjektiv, das das Resultat der Tätigkeit bezeichnet, ein einfaches Adjektiv, schreibt man zusammen oder getrennt.
kleinschneiden/klein schneiden, kaputtmachen/kaputt machen, leeressen/leer essen; das kleingeschnittene/klein geschnittene Brot
Bei Steigerung oder Erweiterung des Adjektivs schreibt man dagegen immer getrennt.
sehr klein schneiden, total kaputt machen, ganz leer essen; der ganz leer gegessene Teller
Auch bei zusammengesetzten oder abgeleiteten Adjektiven oder zusammengesetzten Verben schreibt man nur getrennt.
blitzblank polieren, schmutzig machen,
fertig aufräumen, blau anmalen; die blau angemalte Tür
Auch bei reflexiven Verben schreibt man nur getrennt.
sich warm arbeiten
Besteht eine neue verfestigte Gesamtbedeutung (Idiomatisierung), schreibt man zusammen.
jemanden kaltstellen, einen Termin festnageln, sich wundliegen, jemanden heißmachen, sich
reinwaschen
Kann Idiomatisierung nicht eindeutig festgestellt werden, schreibt man zusammen oder getrennt.
etwas fertigschreiben/fertig schreiben;
das Zimmer rein(e)machen/rein machen; sich etw. bewusstmachen/bewusst machen
etw. bekanntmachen/bekannt machen
jemanden bangemachen/bange machen
Die Substantivierung schreibt man immer zusammen.
das Bangemachen, das Kleinschneiden
4.4.4 Partizipgruppen
Bei Partizipgruppen muss man darauf achten, ob sie als Zusammensetzung oder als syntaktische Fügung zu verstehen sind. Außerdem muss man die Besonderheiten der Schreibung bei Erweiterung und Steigerung beachten.
R 4.16
Wortgruppen mit adjektivisch gebrauchten Partizipien werden zusammengeschrieben, wenn eine Zusammensetzung vorliegt. Werden sie dagegen als syntaktische Fügung verwendet, wird getrennt geschrieben.
In Fällen, in denen nicht klar unterschieden werden kann, gelten beide Schreibweisen. s. R 4.7
Wir sind kunstliebend/Kunst liebend; ein
sehr kunstliebender Mann, ein die Kunst liebender Mann;
Das ist grauenerregend/Grauen erregend!, der Anblick war einfach grauenerregend,
heftiges Grauen erregend s. R 4.7
Wird eine Partizipgruppe erweitert oder gesteigert, gilt: Ist der erste Bestandteil betroffen, wird getrennt geschrieben; ist die ganze Verbindung betroffen, schreibt man zusammen. s. R 4.7
eine äußerst notleidende Bevölkerung – eine große Not leidende Bevölkerung;
ein grauenerregenderes Ereignis,
eine schwerwiegendere Entscheidung
4.4.5 Verbindungen mit Adjektiven oder adjektivischen Bestandteilen
Auch bei Verbindungen mit adjektivischen Bestandteilen muss man darauf achten, ob eine Steigerung oder Erweiterung vorliegt.
R 4.17
– Verbindungen mit einem einfachen unflektierten graduierenden Adjektiv können getrennt geschrieben oder zusammengeschrieben werden. Bei Steigerung oder Erweiterung des ersten Bestandteils gilt nur Getrenntschreibung. Ist die ganze Verbindung betroffen, schreibt man nur zusammen. In Zweifelsfällen entscheidet der Akzent: s. R 4.9
schwer krank/schwerkranksehr schwer krank, schwerst krank
Er ist höchstpersönlich gekommen./Das ist eine höchst persönliche Angelegenheit.
– nicht + Adjektiv: beide Schreibweisen gelten
Aber: Bezieht sich die Verneinung auf eine größere Einheit, muss getrennt geschrieben werden (s. R 4.9).
eine nichtrostende/nicht rostende Schraube; eine gewöhnlich nicht rostende Schraube (s. R 4.9)
4.4.6 Zusammengesetzte Fremdwörter
R 4.18
Adjektiv + Substantiv
Hier bestimmt der Hauptakzent über die Schreibung: Liegt die Betonung auf der ersten Silbe, kann zusammengeschrieben oder getrennt geschrieben werden.
Hotdog/Hot Dog, Softdrink/Soft Drink
Bei gleich starker Betonung beider Silben wird getrennt geschrieben.
New Economy, High Society
Zur Schreibung mit Bindestrich s. R 4.23
4.4.7 Zahlen
R 4.19
Zusammengeschrieben werden
– alle mehrteiligen Ordnungszahlen
der siebzehnte Geburtstag, der fünfhunderttausendste Teilnehmer, der zweimillionste Besucher
– mehrteilige Grundzahlen unter einer Million
zweihundertsechsundsechzig (z. B. Euro-Eintrag auf einem Scheck)
Getrennt geschrieben werden Grundzahlen über einer Million.
zwei Millionen dreitausendvierhundert
Auch Dezimalzahlen schreibt man getrennt.
eins Komma acht
Zusammen oder getrennt:
Bruchzahlen auf –tel und –stel vor Maßangaben können zusammengeschrieben oder getrennt geschrieben werden
eine Hundertstelsekunde/eine hundertstel Sekunde
Jahrzehntangaben mit –iger
die Achtzigerjahre/die achtziger Jahre
Zur Schreibung in Ziffern/mit Bindestrich
s. R 4.21.
4.4.8 Zusammenfassung:
Fälle, in denen Zusammen- und Getrenntschreibung möglich ist
Hier noch einmal im Überblick die Fälle, in denen beide Schreibungen alternativ möglich sind:
R 4.20
Man kann zusammenschreiben wie auch getrennt schreiben in allen Fällen, in denen sich keine Entscheidung darüber treffen lässt, ob eine idiomatisierte Gesamtbedeutung vorliegt (s. R 4.8).
sich etw. bewusstmachen/bewusst machen; sich zu etw. bereiterklären/bereit erklären; bessergehen/besser gehen
Man schreibt zusammen oder getrennt bei Verben mit einem resultativen Adjektiv (s. R 4.15).
kleinschneiden/klein schneiden; blaufärben/blau färben
Ebenso sind beide Schreibungen möglich bei Verbindungen mit adjektivisch gebrauchten Partizipien, wenn nicht zu entscheiden ist, ob es sich um eine Zusammensetzung oder eine syntaktische Fügung handelt (s. R 4.7).
allein erziehend/ alleinerziehend, ratsuchend/Rat suchend
In einigen festen Verbindungen von Substantiven und Verben sind beide Schreibweisen möglich, da nicht entscheidbar ist, ob es sich um eine Zusammensetzung oder eine Wortgruppe handelt (s. R 4.6).
achtgeben/Acht geben; haltmachen/Halt machen
Bei einfachen (nicht gesteigerten, nicht erweiterten) graduierenden Adjektiven kann man zusammenschreiben oder getrennt schreiben (s. R 4.9).
allgemeingültig/allgemein gültig; enganliegend/eng anliegend; nahverwandt/nah verwandt; schwerverdaulich/schwer verdaulich
Ebenso sind beide Schreibungen möglich bei Verbindungen von nicht(s) mit Adjektiv (s. R 4.9).
nichtöffentlich/nicht öffentlich
Bei bestimmten adverbial gebrauchten Substantiven sind beide Schreibungen möglich; der Schreibende entscheidet selbst, ob er sie als Zusammensetzung oder Wortgruppe ansehen will (s. R 4.3).
imstande sein/im Stande; anstelle/an Stelle, aufgrund/auf Grund, aufseiten/auf Seiten, mithilfe/mit Hilfe, zugunsten/zu Gunsten, zuwege/zu Wege bringen
In wenigen Fällen, in denen man die Fügung mit einem substantivischen ersten Bestandteil als untrennbares zusammengesetztes Verb oder als trennbare Wortgruppe ansehen kann, sind beide Schreibungen möglich (s. R 4.4).
gewährleisten/Gewähr leisten; brustschwimmen/Brust schwimmen; marathonlaufen/Marathon laufen
Bei der Bindestrichsetzung handelt es sich um eine Sonderform der Getrennt- und Zusammenschreibung. Die verbundene Wortgruppe wird als Zusammensetzung behandelt, ohne dass sie zusammengeschrieben wird.
R 4.21
Bindestrich wird gesetzt in Zusammensetzungen:
– bei Einzelbuchstaben, Abkürzungen und Ziffern
C-Dur, T-Shirt, UV-bestrahlt, 100-prozentig, 8-jährig, eine 8-Jährige, 100-m-Lauf
– bei substantivierten Infinitiven mit mehreren Bestandteilen
ein Kopf-an-Kopf-Rennen, dieses In-den-Tag-hinein-Leben
– in Zusammensetzungen mit Wortgruppen (besonders bei Farbadjektiven), um zu betonen, dass zwei Eigenschaften nebeneinander bestehen
er ist traurig-ängstlich; sie trägt ein rot-blau-gestreiftes Kleid
Bei Zahladjektiven mit –fach kann man mit oder ohne Bindestrich schreiben (auch bei Substantivierungen) ebenso bei Jahrzehntangaben mit -iger.
dreifach; 3fach oder 3-fach;
das Dreifache, das 3fache, das 3-Fache
die 80-er/80er Jahre
– zur Hervorhebung einzelner Bestandteile
Das ist nur eine Kann-Bestimmung! Sie hat eine große Ich-Stärke;
– bei unübersichtlichen Zusammensetzungen
mathematisch-physikalisch, Biomüll-Abfuhr, Lotto-Annahmestelle
– zur Vermeidung von Missverständnissen
die Hoch-Zeit des Barock, Musik-Erleben
– bei Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben
Tee-Ei, Ballett-Tänzer, dass-Satz
– bei Zusammensetzungen, die einen Eigennamen enthalten
Baden-Württemberg, Käthe-Kollwitz-Schule
– in Aneinanderreihungen
Hals-Nasen-Ohrenarzt, Mitte-Links-Koalition; das Entweder-Oder, 8-Wochen-Reise
Zur Zusammen- und Getrenntschreibung bei Zahlen s. R 4.19
R 4.22
Bindestriche werden als Ergänzungszeichen verwendet, wenn ein zweimal vorkommender Wortteil ausgelassen werden soll (Ersparnisfügung).
Getrennt- und Zusammenschreibung
hell- und dunkelgrün, An- und Verkauf
R 4.23
Bei fremdsprachigen Zusammensetzungen kann man zur Verdeutlichung statt der Zusammenschreibung auch mit Bindestrich schreiben.
Aircondition/Air-Condition; Callcenter/Call-Center; Fastfoodkette/Fastfood-Kette
Bei Substantivierungen aus einem Substantiv und einem Adverb schreibt man das Adverb nach dem Bindestrich klein.
Feedback/Feed-back; Workout/Work-out;
Countdown/Count-down
Zur Zusammen- und Getrenntschreibung
von zusammengesetzten Fremdwörtern (s. R 4.18)
Zu Groß- und Kleinschreibung bei fremdsprachigen Bindestrichwörtern (s. R 3.22)
Im Vergleich zur alten Regelung weisen die neuen Regelungen verschiedene Vereinfachungen auf. Sprechsilben bilden nun die Grundlage für die Trennsilben. Dadurch wird vor allem der Umgang mit Fremdwörtern erleichtert. Wer früher keine Kenntnisse der alten Sprachen (Latein, Griechisch) besaß und keine Kenntnisse des Französischen, hatte es in vielen Fällen schwer, die Sinneinheiten darauf basierender und von solchen abgeleiteter Fremdwörter zu erkennen, mithin korrekt zu trennen. Aber die Trennung nach Sprechsilben hat auch Konsequenzen für die Trennung von in die deutsche Sprache integrierten Fremdwörtern...
R 5.1
Mehrsilbige einfache Worteinheiten werden so getrennt, wie sie sich beim langsamen Lesen in Silben zerlegen lassen (vgl. § 107). Das gilt aber nicht für einzelne Vokale am Wortanfang.
Kel-ler
The-a-ter
Na-ti-o-nen
No-ta-ri-at
Ei-er
Städ-te
etc.
R 5.2
Die Konsonantenverbindung „st“ wird nun getrennt.
Was mit Hilfe von Eselsbrücken früher in der Schule gelehrt wurde, gilt nicht mehr: „Trenne nie ‚st’, denn es tut ihm weh!“. Die Neuregelung entspricht der allgemeinen Trennungsregel für Konsonanten: Wenn mehrere Konsonanten in einer Worteinheit hintereinander stehen, überträgt man den letzten Konsonanten auf die folgende Zeile:
Traditionell wird getrennt:
Karp-fen
mod-rig
Him-mel
Nunmehr werden nach Sprechsilben auch sämtliche Einheiten mit „st“ getrennt:
Els-ter
Pos-ter
trös-ten
Wes-tern
R 5.3
Die Konsonantenverbindung „ck“ wird nicht mehr getrennt.
Vor den neuen Regelungen galt für die Kombinationen wie „ch“, „sch“, „ph“, „rh“, „sh“ und „th“, dass man diese am Zeilenende nicht getrennt hat, weil sie wie ein einzelner Laut ausgesprochen werden. Das „ck“ war früher eine Ausnahme des Deutschen (als festgelegte Schreibweise für „kk“). Deshalb hatte man die „ck“-Variante bei Trennung wieder auf die Grundform zurückgeführt: Ein „k“ blieb auf der einen Zeile, das andere „k“ rückte bei Trennung auf die nächste; vgl. zur früheren Trennung *Bäk-ker.
Mit der Neuregelung wird folglich die Trennung vereinfacht: Ha-cke, le-cker, Lü-cke
R 5.4
Verbindungen aus Konsonant + „l“, „n“ oder „r“ in Fremdwörtern werden entweder vor dem letzten Konsonanten getrennt, oder sie können ungetrennt in die neue Zeile rücken.
Vor den Neuregelungen durften solche Verbindungen nicht getrennt werden. Nunmehr wird es Schreiber(inne)n freigestellt, die eine oder die andere Trennungsvariante zu wählen:
Fe-bruar oder Feb-ruar
Hyd-rau-lik oder Hy-drau-lik
Mag-net oder Ma-gnet
Sig-nal oder Si-gnal
Die Trennung nach Sprechsilben stellt im Vergleich zur früheren Regelung denen eine Erleichterung dar, die in zahlreichen Fällen diesbezügliche Korrektheitszweifel hatten; wer stets ohne Zweifel die vertraute Trennung praktizieren konnte, kann dies auch weiterhin.
R 5.5
Als solche nicht mehr erkannte ursprüngliche Zusammensetzungen können wie Simplizia nach Sprechsilben getrennt werden.
Auch hier stehen nunmehr bei Fremdwörtern zwei Trennungsmöglichkeiten nebeneinander, da heute (im Unterschied zu früher über die alten
Sprachen vermittelten Kenntnissen) nicht mehr davon auszugehen ist, dass diese nach ihren Bestandteilen analysiert werden können:
Chi-rurg und Chir-urg
Pä-da-go-gik und Päd-a-go-gik
In-ter-es-se und In-te-res-se
Nos-tal-gie und Nost-al-gie
Al-ler-gie und All-er-gie
Aber diese Regelung betrifft nicht nur als Fremdwörter eingeschätzte Einheiten, sondern ebenso deutschsprachige Ausdrücke, welche ursprüngliche (aber als solche nicht mehr erkannte) Zusammensetzungen darstellen:
da-rauf oder dar-auf
ein-an-der oder ei-nan-der
he-ran oder her-an
hi-nauf oder hin-auf
vor-über oder vo-rüber
wa-rum oder war-um
Mai-nau oder Main-au
Klei-nod oder Klein-od
Anmerkung: Falsch getrennt ist nach wie vor zum Beispiel: *bi-ologisch statt bio-lo-gisch; *bis-exu-ell statt bi-se-xu-ell.
R 5.6
Ein einzelner Vokal am Wortanfang darf nicht abgetrennt werden.
Abend
Ufer
Ofen
Idyll
üben
Die ursprünglichen Neuregelungen sahen in solchen Fällen eine Abtrennung vor. Etliche Wörterbücher, die in dem Zeitraum kurz nach den 1996 erschienenen „Amtlichen Regelungen“ entstanden sind, verzeichnen solche Trennungen. Entsprechende Angaben in solchen Wörterbüchern sind nunmehr als Fehler einzuschätzen. Im Rahmen der Nachbesserungen der Rechtschreibregelungen (nach 1996) wurde die Möglichkeit der Abtrennung von Einzelbuchstaben zurückgenommen.
Obwohl möglich und korrekt, sollten Einheiten nicht an gewissen Trennungsfugen getrennt werden, wenn dadurch missverständliche Lesarten entstehen.
Zuletzt geändert: Montag, der 16. August 2010